Seit zwei Wochen befinden wir uns im heiligen Monat des Ramadans, was erhebliche Auswirkungen auf das Leben in einem islamisch geprägten Land hat. Von 4 Uhr morgens bis kurz nach 18 Uhr wird gefastet (Sonnenauf- bis -untergang)- selbst als Nicht-Muslim darf weder gegessen, getrunken noch geraucht werden. Was ich zu Hause mache, ist natürlich meine Sache und zum Glück wird auch von niemanden im Büro erwartet, zu fasten. Wenn allerdings der büroeigene Kaffee- und Teeservierer, der praktizierender und gläubiger Muslim ist und demzufolge natürlich fastet, in unser Zimmer kommt, während ich gerade an meiner Cola light nippe, genussvoll in eine Banane beisse oder an libanesischen Backwaren rumknabbere, fühle ich mich schon ein wenig ertappt- dass er allen Leuten Getränke servieren muss, macht dem armen Kerlchen das Fasten bestimmt auch nicht einfacher.
Aber davon abgesehen hat der Ramadan während der Woche keinerlei Auswirkungen auf mich- bis auf, dass alle Restaurants tagsüber geschlossen sind und selbst abends viele Bars geschlossen bleiben. Es gibt ein Gesetz, welches besagt, dass während der Fastenzeit alle Arbeitszeiten um mind. zwei Stunden verkürzt werden müssen, was allerdings von unserem Arbeitgeber in der Vergangenheit nicht weiter ernst genommen wurde. Um so mehr habe ich mich gefreut, dass dieses Jahr das erste Jahr ist, in dem mein Chef sich zur Gesetzestreue hat durchringen können. Ich fange z.Zt. erst um 9 Uhr an und habe schon um 17 Uhr Feierabend, was sogar 30 min weniger sind als in meinen vorherigen Jobs! Der oben erwähnte Servierer hat übrigens noch zwei Arbeitsstunden weniger pro Tag- zwei Stunden mehr, in denen ich mich gewissenbisslos und ungehemmt der Völlerei widmen kann.
Wenn ich an den Wochenenden in einer der Einkaufszentren bin, merkt man schon den Unterschied- alle Cafes sind geschlossen, nur die teureren Restaurants servieren verborgen hinter schweren, schwarzen Vorhängen weiter und allem in allem ist sehr viel weniger los. Viele Geschäfte haben mittags und nachmittags geschlossen und öffnen erst abends wieder, dann aber bis spät in die Nacht. Ausserdem kann ich an Wochenenden auch nicht wie sonst auf unserer Terrasse am Plastiktisch sitzen und gemütlich eine Zigarette rauchen, sondern kauere verängstigt hinter der Yucca-Pflanze und versuche dabei mit geringem Erfolg, möglichst wenig Rauch zu verursachen. Ich habe gelesen, dass jeden Abend privat und in Restaurants und Cafes das Fastenbrechen kräftig bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wird (was wahrscheinlich mit ein Grund für die reduzierte Arbeitszeit ist), habe davon aber leider ausser diversen Feuerwerken noch nicht allzu viel mitbekommen. In der Tagespresse wird permanent darauf auferksam gemacht, wie gefährlich diese Feuerwerkskörper seien und dass es höchst illegal sei, selbige zu besitzen. Man solle doch auch bitte alle Läden, die dieses lebensgefährliche Teufelswerk anbieten, umgehend der Polizei melden.
Ausserdem weist man darauf hin, wie unpassend es gerade während dem Ramadan sei, kurze Röcke und ärmellose Hemden zu tragen. Schön und gut, man möchte ja auch wissen, was man falsch macht und man möchte sich ja auch den örtlichen Sitten und Gebräuchen anpassen. Ich frage mich aber, ob die bildliche Darstellung auf der Titelseite von jungen Frauen, die diese verwerfliche Kleidung tragen und deren Augen mit schwarzen Balken kaschiert wurden wirklich nur der Veranschaulichung dient oder ob durch das Zeigen von nackter Haut auch ein wenig darauf spekuliert wurde, die Verkaufszahl zu steigern.
Visa-Run und Kindstaufe
Der Stempel in meinem Pass gilt nur für 60 Tage, danach muss ich kurz das Land verlassen, um bei der Rückreise einen neuen Stempel zu bekommen. Üblicherweise bezahlt das Büro einen Flug in eines der Nachbarländer (leider nicht nach Europa). Das ganze nennt sich dann Visa-Run. Nach drei Monaten Probezeit wird mein Arbeitgeber aber ein richtiges Arbeitsvisum für mich organisiert haben, weswegen dann das Umherreisen während der Arbeitszeit auf Arbeitgeberkosten leider entfällt.
Der Ramadan endet Ende des Monats und das ganze wird dann mit einem mehrtägigen Fest gefeiert (Eid al-Fitr), an dem wir hier Feiertage haben. Da ich in dieser Zeit eh meinen Visa-Run machen muss, dachte ich mir, ich kann selbigen auch gleich nach Europa machen.
Zwar verpasse ich dann das religiöse Highlight des islamischen Kirchenjahres. Aber da mich meine Cousine Nina als Patenonkel für ihre kleine Tochter auserkoren hat und der ursprüngliche Termin an Weihnachten nicht klappt, da ich nur unter der Bedingung frei bekommen habe, dass ich in Dubai bin und bei Not am Mann ins Büro kommen kann ("Neues Schwein muss sein"- aber halb so wild- Matthew hat gerade seine Tickets gebucht, um Weihnachtsmann zu spielen- ich werde also nicht alleine am Strand sitzen und Wunderkerzen abbrennen), konnten wir es kurzfristig einrichten, die Taufe Ende des Monats abzuhalten. Und da ich das ganze noch mit einem kleinen Abstecher zu Matthew nach London verbinden kann, passt das alles perfekt zusammen. Ich werde am Freitag, dem 20. Oktober früh auf dem Hunsrück ankommen, die Taufe ist am Sonntag, dem 22. in Spay am Rhein, am Dienstag, den 24. fliege ich vom Hahn nach London und am Samstag, den 28. geht's wieder zurück nach Dubai. Audienzen auf Anfrage 8)

Libanesische Backwaren fuer den Samstag-Nachmittags-Kaffeeklatsch
Libanese sweets for the Saturday afternoon tea
Ramadan
The holy month of Ramadan started two weeks ago, which has quite an impact on your everyday life if you happen to live in an Islamic country. From 4am to 6pm (sun rise to sun set) people have to fast- even if you aren't a Muslim you aren't allowed to eat, to drink or to smoke. Of course I can do whatever I want when I'm at home and fortunately nobody expects us to fast in the office, so during the week I hardly realise that the Ramadan is going on at all- apart from restaurants shutting down during the day and a lot of bars being closed for the entire month. However, the guy in the office who serves tea and coffee is a very religious and faithful Muslim and whenever he enters our room while I'm just sipping at my diet coke or nibbling some Libanese sweets, I feel like being cuaght in the act- it probably doesn't make fasting easier when you have to serve drinks all day long.
There is a law that says that during Ramadan everyone should work at least two hours less than he usually does. Our office didn't care in the past though, so I was very pleased to hear that they finally decided to join the lawful side. At the moment I have a 9 to 5 job which is even 30 min less than back in London or Germany! The guy who serves drinks in the office even works two additonal hours less- two more hours where I can indulge in gluttony without having too many pangs of conscience. (Oh my god, a lot of stuff I had to look up in the dictionary- I hope it doesn't turn out to be something obscene again...)
When I'm going to one of the shopping malls at the weekend, I can see the difference though- all the cafes are closed, just the more expensive restaurants are still serving food behind thick, black curtains, and it's much less busy. Most of the shops shut down before lunch time and won't be open during the day. They re-open in the evening though and you can shop until late in the night. At the weekend I cannot have a cigarette sitting at the plastic table on our terrace- instead I anxiously cower behind the yucca plant trying to produce as few smoke as possible- obviously not very successful. I read that when people break there fasting after sun set, they celebrate it at their homes, in cafes or restaurants unitl dawn (probably one of the reasons to reduce the working hours)- unfortunately I haven't seen anything about it (apart from some fire works). The newspapers continously point out how dangerous these fire works are and how illegal it is to own them. They ask to report to the police any shop selling these life threatening stuff.
They also point out how inappropriate it is to wear short skirts and sleeveless shirts, especially during the holy month of Ramadan. Which is fair enough- I want to know what I'm doing wrong in my host country and I want to adopt to the local habits and customs. However, I'm wondering if the illustration on the cover page of young women wearing these indecent clothing is just for proving their point or if they actually hope that some naked skin on the front page helps to sell the news paper.
Visa Run and christening
My visa is just valid for 60 days. After that I have to cross the boarder and get a new stamp on my way back. My employer is going to pay for a plane ticket to one of the adjacent countries- unfortunately not to Europe. This is called the visa run. After my three monts trial period I will receive a proper working visa though. No more travelling during my working time on the expenses of the company after that any more I'm afraid.
Ramadan ends at the end of the month and there will be a couple of public holidadays to celebrate this event (Eid al-Fitr). At the same time I have to do my visa run and I thought it might be nice to do the visa run to Europe.
Because of this trip I will miss out on the religious highlight of the islamic year, but as my cousin asked me to be the god-father of her little baby daughter, I thought this is a good time for the christening. On my way back I'm going to have a stop over in London to see Matthew and hopefully some other friends. Actually we wanted to do the christening in December, but I just got the approval for some days off after I mentioned that I will stay in Dubai so I can come in to the office if there'll be an emergency- but I'll be fine as Matthew already booked his plane tickets to Dubai to be my Santa Claus and I won't have to sit at the beach singing christmas songs by myself. I will arrive in Germany on the 20th, I will come to London on the 24th and on the 28th I'm already off to Dubai again. Appointmenst on request 8)

1 Kommentar:
Die sehen aber arg süss aus, diese libanesischen Backwerke; da kriegt der Zahnarzt wieder feuchte Träume, ganz zu schweigen von fastenden Muslimen... Anyway, was ich sagen wollte, ich hab' grade einen Flug nach London gebucht, bin also auch vom 24. bis 28. Oktober im Lande. Ich lad' Sie dann auch gern auf eine von diesen ganz und gar unislamischen Bratwürsten vom Strassenverkauf ein, morgens um halb 5, wenn wir betrunken aus irgendeinem Homosexuellen-Etablissement taumeln...
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