Ich bin ja nun schon zum fünften Mal in eine Stadt gezogen, in der ich niemanden kannte. Das wird glaube ich auch das letzte Mal sein. Es wird nicht einfacher, Leute kennen zu lernen. Ich geh ja auch schon stramm auf die 30 zu. Der nächste Umzug wird mich aller Wahrscheinlichkeit in eine Stadt bringen, in der ich schon mal gelebt habe- hoch im Kurs London und Berlin. Es war auch nicht einfach in den anderen Städten, aber momentan habe ich den Eindruck, dass es hier besonders schwierig ist. Das hier sollte ja eigentlich ein kurzweiliger Blog über meine tollen Erfahrungen in Dubai werden, aber da Matthew angedroht hat, eine meiner langen Jammer-E-Mail hier zu veröffentlichen, wenn ich nicht selbst das Wort ergreife, hier nun auch eine Schilderung der weniger schönen Seiten mit der Hoffnung auf ein wenig Unterstützung aus der Ferne (Mit-dem-Zaunpfahl-wink).
Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut, diverse Bekannte bzw. Freunde von diversen Bekannten bzw. Freunden hier in Dubai zu treffen. Allem in allem sind es fünf Personen, deren Kontaktdaten mir zugesteckt wurden. E-mailen, SMSen, telefonieren, verabreden- alles schön und gut. Kurz vorher absagen oder schlicht und einfach versetzen und nicht mehr melden- schon etwas frustrierend- aber wo hört Am-Ball-Bleiben auf und wo fängt Sich-Aufdrängen an? Zwei befinden sich aber noch in der Am-Ball-Bleiben-Phase.
Zumindest hat mich Matthew überzeugt, dass von nichts bekanntlicherweise auch nichts kommt und dass überraschenderweise niemand hier auf meine Ankunft gewartet hat. Ein wenig Dreistigkeit und Aufdringlichkeit ist gefragt, eine meiner weniger gut ausgeprägten Eigenschaften. Permanentes Nachfragen bei Diego und meinen Kollegen, was sie denn fürs Wochenende geplant hätten, führte dazu, dass ich früher oder später gefragt wurde, ob ich mich denn nicht anschliessen wolle. Na bitte, geht doch.
Party
Letzten Freitag bin ich dann also zu der Privatparty in die Villa (hier wird alles Villa genannt, was, wenn auch recht hübsch und nett, nichts anderes als ein Haus mit grossem Gemeinschaftsraum und zwei oder mehr Schlafzimmern ist) eines Kollegen. Es hätte auch sehr nett werden können, ich habe neue Leute kennengelernt und habe erfahren, dass es sich bei dem Amphib (bei der Amphibie?), welches in meinem Schlafzimmer sein Unwesen treibt, tatsächlich um einen Gecko handelt- und zwar um einen harmlosen, der mir sogar bei der Insektenbekämpfung (inklusive Giftspinnen) behilflich sein soll. Ich habe neulich wieder einen gesehen und ihn sogar fotografiert. Ich hatte ihn ja orange in Erinnerung und mit viel grösseren Augen- wahrscheinlich ein Ergebnis des Schreckmomentes. Wie auch immer, jeder hat sich amüsiert, es floss reichlich Bier und aus Zusammenwirken von Hitze, zu viel Bier, allgemeiner Unzufriedenheit und zu wenig Essen wurde ich ein
wenig wunderlich und bin ich dann irgendwann auf der Couch eingeschlafen und kann mich leider nur noch schemenhaft daran erinnern, wie mein Mitbewohner mich nach Hause gebracht hat. Naja, ich werde dann wohl andere Kollegen belästigen müssen bis ich weitere Einladungen erhalte.

Der Gecko in meiner Kueche. /
The gecko in my kitchen.
Dornroeschen
Am Samstag dann habe ich Diego mit mir verabredet. Er schlug einen Spieleabend mit ein paar seiner Freunde vor, was natürlich ganz nach meinem Geschmack war. Dass ich mich selbst auf Monopoly, eines der langweiligsten, langwierigsten, unausbalanciertesten und vorhersehbarsten Spiele der Welt, gefreut habe, sollte den Ernst der Lage und meine Verzweiflung deutlich genug machen. Zumindest war es die Disney-Version von Monopoly, anstatt Ereigniskarten gab es "Show Time"- und "Magic Moment"-Karten, ich hatte die "1001 Dalmatiner" und "König der Löwen" (das Pendant zu Parkstrasse und Schlossallee) und ich wurde auf dem Spielplan von einer Dornröschenspielfigur repräsentiert, was das ganze dann doch noch etwas unterhaltsam gemacht hat, wurde aber zuguterletzt doch von Peter Pan alias Diego in die Knie gezwungen.
Diego hatte auch zufällig seine Playstation samt Karaokeequipment dabei. Von da an gings bergab. Da in dem Gebäude nur andere FlugbehleiterInnen wohnen und sich alle kennen, kamen irgendwann noch ein paar ziemlich betrunkene, ziemlich junge Mädels hinzu, die die ganzen Text von den Liedern, die ich noch nie in meinem Leben gehört habe und trotzdem singen musste, auswendig kannten. Bei jedem weiteren Lied, das ich nicht kannte, fühlte ich mich älter und älter und ich habe mich bis auf die Knochen blamiert- und das ganz ohne Alkohol...
Allem in allem ein Wochenende mit viel Potenzial, nur an der Umsetzung sollte ich noch ein wenig arbeiten.
Zahltag
Ich weiss, über Geld spricht man nicht und meine Mutter wird mich für diesen Beitrag bestimmt aus der Ferne mit einem scharfen Blick rügen, aber trotzdem- weil's so schön ins Dubaibild passt...
Pünktlich zum Wochenende hatte ich letzten Donnerstag meinen ersten Zahltag. Als Kind der Girokonto- und Kreditkartengeneration habe ich bisher meinen Arbeitslohn immer auf mein Konto überwiesen bekommen, um es anschliessend mit irgendeiner Plastikkarte zu verheizen, ohne jemals viel davon gesehen zu haben. Ich musste ernsthaft meinen Kollegen fragen, wie man einen Scheck benutzt. Nach der Arbeit bin ich dann direkt zur Bank, um Selbigen einzulösen (Ich habe übrigens rausgefunden, dass ich mit meinem hier in Dubai erworbenen Laptop, der auch arabische Buchstaben auf den Tasten hat, ganz einfach dadurch, dass ich ein Anführungszeichen vor den betreffenden Buchstaben setze, Umlaut erzeugen kann- töll, ödër?). Jedenfalls hatte ich noch nie in meinem Leben so viel Bargeld auf einmal in der Hand- nicht, dass ich hier reich werden könnte, ich verdien hier so viel wie in London auch, aber Bar auf die Kralle fühlt sich so was von besser an als ein Blick auf meinen Online-Kontoauszug!
Sie wollten mich erst mit den grossen Scheinen abspeisen, die dann auch locker in meinen Geldbeutel gepasst hätten, aber das wäre ja nur der halbe Spass. Damit es auch nach was aussieht, habe ich extra nach kleinen Scheinen gefragt, die mit einem Gummiband zusammengehalten werden müssen. Schon schön.

Zahltag / Pay Day
--------------------------------------------------------
Getting started
This is already the fifth time that I moved to a city where I didn't know anyone. This probably will be the last time, as well. Meeting new people doesn't get easier the older you get- I'm hitting the 30 very soon. It's very likely that the next time I move I will move to a city where I have lived before- probably London or Berlin. It hasn't been easy in the other cities neither, but I got the impression that in Dubai it is particulary hard. This was supposed to be an amusing and entertaining blog, but as Matthew threatened me with publishing one of my long and lamenting emails on this blog if I wouldn't talk about the difficulties I have, I decided to do so hoping for some long-distance-support.
I was already looking forward to meeting some friends of friends living in or travelling to Dubai. There have been five of them and we were emailing, texting, calling and setting up to meet- but none of these meetings actually ever happened up to now. They all cancelled or just didn't come back to me- kind of frustrating, but where does following-up end and where does molestation start? Two of the five are still in the following-up-stage though.
At least Matthew convinced me to take some initiative and taught me that surprisingly nobody was just waiting for me to arrive. I had to work on my skills in being shameless and molesting. It finally paid out to permanently ask Diego and my colleagues what they are up to at the weekend- last weekend they eventually asked if I want to join. Here we go- not that hard after all.
Party
Last Friday I have been invited to a party of one of my colleagues. It took place in his villa (every house in Dubai with a big living-room and two or more bedrooms is called a villa) and it could have been a really cool party, I met a lot of new people and I learnt that the monster loitering in my bedroom is just a harmless gecko who actually helps killing all the insects including poisonous spiders. I saw it again the other day and I even managed to take a picture of it. In my memories it had been orange and had much bigger eyes- probably just a matter of having been scared the firt time I saw it. At any rate, everyone was having a great time at the party, there was plenty of beer and as a result of the heat, too much beer, not being happy, and not enough food I got into a weird mood and finally fell asleep on the couch- I can't even properly remember how my flat mate got me back to our place. No worries, no pregnancies ahead- but unfortunately probably no more invitations from this colleague neither. I have to find new colleagues to molest in order to get further invitations.

Diegos Fahrstuhl /
Diego's lift
The Sleeping Beauty
On Saturday I invited myself to spend some time with Diego. I was pleased to hear that he suggested an evening playing board games with some friends. Monopoly is one of the most boring, most unbalanced and most predictable board games ever. Still I was looking foward to playing it, which is a good indicator for my stage of desperation. At least Diego owns the Disney version of Monopoly and being represented on the board by a Sleeping Beauty counter made it much more enjoyable.
Diego happened to have his playstation with him including the karaoke equipment. That's where the evening started getting worse and worse. The building is occupied by Emirates cabin crew and later in the night, some very young and very drunk girls popped by. They knew all the lyrics by heart whereas I hardly knew any of the songs at all which didn't mean that I didn't have to sing. I felt older and older with every song I didn't know and all in all it was rather embarassing- even without having drunk any alcohol...
The weekend had a rather high potential in the first place- just have to work on the translation into action though.
Pay Day
I know you shouldn't talk about money and I can actually feel a sharp look from my Mum right now, but as it fits perfectly well into the image of Dubai...
Last Thursday was my first pay day- right in time for the weekend. Being a child of the generation of current accounts and credit cards, I always got my salary transferred to my account, just to spend it with some plastic cards without actually seeing a lot of it ever. I really had to ask my colleague how to use a cheque. After work I went to the bank straight away to cash it in. I never had that much cash in my hands before- not that there would be any chance for me of becoming rich in Dubai- the salary is about the same than in London, but cash feels so much better than having a look at yout online account bank statement!
At first they tried to pay me in large notes which would easily fit into my wallet, but this would just have been half the fun. I particulary asked for smaller notes and an elastic band to hold them together. Nice one.

Die Skihalle (nur von aussen) /
Indoor skiing (haven't been inside)

4 Kommentare:
Love the new pics, Marco! Please keep these blog entries coming - I do think ylu should set up a reminder for us when you update though.
Also, "molestation" is a bit strong (in English it really means sex with children nowadays) - I think you should change this to "bothering" or "pestering" instead before we start to worry what the desert heat has done to you!?!
Great new photos though too - very handsome indeed :)
Ach ja, aller Anfang ist schwer... darum Grüsse aus dem heimatlichen Hunsrück!
Bin wieder mal über Hahn geflogen, 2 Tage D-Land und dann nach London weiter, inclusive durch-die-Landschaft-shutteln. Schwere Wolken grau über den Feldern, Windkraftwerke und NORMA-Märkte am Dorfrand. Schon schoen. Fast so schoen wie die Eifel...
Tja, und jetzt ne Woche London, allerdings nicht bloss zum Vergnügen. Bin dabei, meinen Krempel von Rom rüberzuschaffen, jeden Monat ein paar Zentner ("Bin ich eine keltische Fürstin...?"). Kann gut sein, dass ich Ende des Monats wieder hier bin. Lass uns da mal was ausmachen, Frau Klein. So, und jetzt muss ich erst mal einholen gehen. Gruss & Kuss,
J
Matthewsweetydarling,
I shouldn't trust dictionaries-
'molestation' is actually one of the few words I looked up in the dictionary. But what can you expect from a dictionary that still uses the old German spelling... Thanks for letting me know.
My cousin explained how to keep up to date earlier on without checking my blog everyday. Let me translate: You have to download some software, e.g. http://www.mozilla-europe.org/en/products/thunderbird/ and then you have to feed this link to the software: http://marco-in-dubai.blogspot.com/rss.xml
Whenever there will be a new entry on my blog, you'll get an email. That's the theory, haven't tried it yet though. Good luck and talk soon :)
xxx
----------------------
Jan,
Das waere ja zu und zu reizend, wenn du Ende des Monats zugegen waerest. Die meisten muessen ja arbeiten, wodurch ich tagsueber jede Menge Zeit haben werde, in der ich dann mit dir zusammen in einem Cafe in Hunsrueck- und Georgette-Dee-Erinnerungen schwelgen kann :)
Muss jetzt los, mein Wochenende beginnt und mein Mitbewohner steht schon mit seinen Fuesschen tappelnd neben mir.
Bis demnaechst-
Aloa!
Ja, sagense bloss rechtzeitig bescheid, damit ich früh genug buchen kann. Allerseelen muss ich allerdings wieder in Italien sein, das ist so nett hier, so richtig Totenkult.
Und was den Gecko angeht - hat moi ja gleich gesacht, der ist bestimmt nützlich von wegen Insekten.
Tanti saluti
Kommentar veröffentlichen